Udos letzte Fahrt – ein Nachruf auf Udo Söder (1961-2015)

Wer hätte gedacht, dass unser bärenstarker und lebenslustiger Udo, ein Urbild unserer  Szene, so unfassbar plötzlich auf die letzte Reise geschickt würde? Und doch haben die Götter so entschieden: Am 29. April 2015 verstarb Udo Söder im Alter von 53 Jahren.

Wie groß die Lücke ist, die er hinterlässt, zeigte sich anlässlich der Seebestattung am 16. Mai. Auf der Pommerschen Jagt HOFFNUNG hatten wir seine Urne aufgestellt und viele Dutzend Freunde kamen, um sich dort von ihm zu verabschieden, ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Udo Söder, Schiffer beim letzten Segeltörn der Solvang (Foto privat)

Zur Seebestattung bei spätherbstlichem Seewetter und vier Beaufort aus West liefen dann, zusammen mit der HOFFNUNG, vier weitere Schiffe aus: Oll Carl, Lene, Erna und Hedi. Die HOFFNUNG setzte Segel und mit bis zu sechs Knoten liefen wir zum vereinbarten Ort der Seebestattung, während das Geschwader backbord und steuerbord achteraus unter Maschine folgte. Schließlich ging die HOFFNUNG vor Anker und nahm die anderen Schiffe ins Päckchen. In einer kurzen Trauerbotschaft erinnerte Reinhard Bach u. a. an die bleibenden Verdienste, die sich Udo Söder um den Greifswalder Museumshafen, die Gaffelrigg und die Szene der Traditionssegler erworben hat.

Er war dabei, als wir 1985 zu dritt in einer Kneipe die Arbeitsgemeinschaft Fischereitradition gründeten. Er half 1988 aktiv bei der Organisation der ersten Gaffelrigg und viele werden sich erinnern, wie er dann bis 2005 regelmäßig aus einer NVA-Gulaschkanone das von der Gaffelrigg heimkehrende  Schiffsvolk versorgte. Viele der wertvollen Preise, die dann in der traditionellen Abendveranstaltung mit deftigen Sprüchen von Siegfried Wilhelm Rust oder Reinhard Bach den Besitzer wechselten, hatte Udo organisiert. 1990 war er Mitbegründer der Traditionsseglervereinigung M-V, aus der heraus wir 1991 die Museumshäfen Greifswald und Rostock gründeten.

Udo Söder beim Bootsbau (Foto privat)

Udo Söder beim Bootsbau (Foto privat)

Als Vorstandsmitglied des Museumshafens Greifswald, zuständig für technische Dienste, gehörte er 15 Jahre zu den Aktivisten des Vereins, war selbst am Ausbaggern der Gräben für Strom und Wasserversorgung beteiligt, machte als erster die historische Slip in der heutigen Museumswerft wieder gangbar, besorgte für das Stiftungsschiff Christian Müther die erste Abnahme und Zulassung als Traditionsschiff und war im übrigen bei allen Vereinsaktivitäten nicht wegzudenken. Von 2005 bis 2008 war er eines der fünf Mitglieder der Registerkommission des Dachverbandes der Traditionsschifffahrt GSHW und schließlich Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Greifswalder Schiffergilde.

Nachdem die See Udos Urne aufgenommen hatte, folgten unsere Augen einem Blumenteppich, der an dieser Stelle wuchs und langsam in Richtung Nordost davon trieb.

Reinhard Bach

 

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