Dr. Thomas Förster: Die Strategische Bedeutung Pommerns mit der Insel Rügen vom 16.-19. Jahrhundert. Schiffswracks und seeseitige Befestigungen

Die Insel Rügen ragt weit in die südliche Ostsee hinein. Die Herrscher über sie und das pommersche Festland konnte die Schiffsbewegungen zwischen Kattegat und der Ostsee überwachen. Die Stadt Stralsund und deren vorgelagerten seeseitigen Befestigung waren zur Sicherung Pommerns mit der Insel Rügen von besonderer Bedeutung. Das zeigen neben den Befestigungsanlagen aus Pommerscher, Schwedischer und Preußischer Zeit und auch die vielen unterschiedlichen Wrackfunde.

Bergung der Kanonen vor Mukran, Archäologische Expedition des Landesamtes für Bodendenkmalpflege M.-V. vom 17.-27.07.2000 im Küstenbereich Ostsee Arkona bis Darss mit der "Seefuchs", (c) Roland Obst, Thomas Förster

Bergung der Kanonen vor Mukran
Archäologische Expedition des Landesamtes für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, 17.-27.07.2000, Küstenbereich Ostsee (Arkona bis Darss) mit dem Schiff „Seefuchs“,
(c) Roland Obst, Thomas Förster

Dr. Thomas Förster vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund referierte am 25. November 2015 im ersten Vortrag der Schiffergilde für die Wintersaison 2015/16 über eine Vielzahl von Wrackfunden vor der Insel Rügen. Er konnte dabei auf umfassende eigene Untersuchungen an Schiffswracks, Befestigungsanlagen und in den Archiven zurückgreifen. So gelang vor Mukran die Entdeckung eines Wracks, bei dem es sich um eins von vier Schiffen der Dänen und Lübecker handelt, die können für die 1565 im Ersten Nordischen Krieg (1563-70) durch eine schwedische Flotte versenkt wurden. Die dort gefundenen Kanonen sind wichtige Belege für die Entwicklung des Geschützwesens auf Kriegsschiffen. Eine der Kanonen wurde vermutlich durch sächsische Stückgießer gefertigt, die in Pommern und Dänemark tätig waren. Aus dem Großen Nordischen Krieg (1700-21) sind von einer Anlandung schwedischer Truppen bei Dranske verschiedene Schiffswracks zu finden. Ebenfalls konnte im Greifwalder Bodden eine aus 17 versenkten Schiffen bestehende Sperre archäologisch nachgewiesen werden. Die Napoleonischen Truppen, die 1807 in Stralsund einmarschierten, errichteten auch Schiffssperren, um die Kontinentalsperre gegen Großbritannien durchzusetzen und um gegen den Schmuggel mittels Schiffsversenkungen in den Fahrrinnen nach Stralsund – wohl mit geringem Erfolg, wie der Wrackfund der Englischen Brigg „Dispatch“ zeigt.

Darüber hinaus konnte Dr. Förster auch die Methoden der Unterwasserarchäologie anschaulich vermitteln: Er zeigte beispielsweise Bilder typischer Geschosse aus dem Großen Nordischen Krieg wie Bomben und Granaten (Hohlgeschosse mit Sprengladungen), Traubhagel (eine Art „Schrotladung“ für Kanonen) oder Stangenkugeln (die durch ihre längliche Form vor allem die Takelage zerstörten und so die Schiffe am Manövrieren hinderten). Die Altersbestimmung der Schiffswracks ist anhand der Jahresringe des Bauholzes möglich (Dendrochronologie).

 

Die ausführlichen Ergebnisse der unterwasserarchäologischen Forschungen von Dr. Förster werden im Jahr 2016 im Buch „Schiffsschicksale von Rügen“ im Hinstorff-Verlag veröffentlicht.

Vortrag von Dr. Thomas Förster, zusammengefasst von Anna-Konstanze Schröder
Es gilt das gesprochene Wort.

Klicken Sie HIER, um den Text als PDF herunterzuladen.

Dieser Beitrag wurde unter Vorträge abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.